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Home 2018-04-10T00:39:14+00:00

„Costnitz tanzt“ war ein Lichtkunstprojekt der Universität Konstanz und der HTWG Konstanz, das vom 08.–10.03. in der „Katzgasse 3“, in Konstanz aufgeführt wurde.

Im Rahmen von „MINNE meets POETRY“

 

August 1429 – Die Stimmung ist zum Zerreißen angespannt. In der Stadt stehen sich bewaffnete Zünftler und Stadtadel gegenüber – ein über Jahre schwelender Konflikt ist kurz vor der Eskalation.

In einer Lichtkunst-Projektion beleuchten Studierende der Universität und der HTWG Konstanz die Nachwirkungen des Konstanzer Konzils. Das Schauspiel wird jeden Abend am „Haus zur Katz“ zu bestaunen sein. Ein Tanz um Reichtum, Gewalt und Ausgrenzung.

Prolog

Nach dem Konzil

Auf die Stadt kommen Turbulenzen zu

Vier Jahre hatte das Konzil in Konstanz getagt, die bis dahin größte Kirchenversammlung des Spätmittelalters. Im Jahre 1414 war sie auf Betreiben des römisch-deutschen Königs Sigismund zusammengetreten, um einen der größten Konflikte der abendländischen Kirche zu lösen, den Streit dreier Päpste und ihrer Verbündeten um das Amt des Oberhauptes der Kirche: das abendländische Schisma. Mit der Verbrennung des böhmischen Reformators Jan Hus hatte das Konzil in Konstanz einen ersten traurigen Höhepunkt erreicht, mit der Verkündung der Wahl des Papstes Martin V. und der Aufhebung der Kirchenspaltung am 11. November 1417 ging es allmählich auf sein Ende zu. Für die Stadt mit ihren 70.000 Besuchern waren diese viere Jahre eine aufregende Zeit. Da konnte noch keiner ahnen, dass ihr noch turbulente Jahre bevorstanden …

Ein Riss tut sich auf:
Mit dem Frieden ist es in der Stadt unwiderruflich vorbei

Vier Jahre hatten die Auseinandersetzungen zwischen den beiden wichtigsten politischen Gruppen geruht, die seit dem 14. Jahrhundert um die Vorherrschaft in der Stadt gestritten hatten: die sogenannten „alten Geschlechter“, eine lokale Elite und Führungsschicht einerseits, und die in Zünften organisierten Handwerker andererseits. Vor allem der von den Zünften dominierte Rat verfolgte eine Politik, die klare Grenzen zwischen beiden Gruppierungen forderte, weil die soziale Zugehörigkeit auch fest definierte Partizipationsrechte im Rat begründete. Scheinbar boten die vier Jahre des Konzils durch die ungeheure Bewegung in der Stadt nicht nur Ablenkung, es taten sich auch Möglichkeiten auf, neue Verbindungen einzugehen. Ambitionierte Zunftgenossen, durch den überregionalen Fernhandel zu Wohlstand gekommen, suchten den prestigeträchtigen Einstieg in den Kreis der „alten Geschlechter“ und ihrer freiwilligen Schwurgemeinschaft, der Gesellschaft „Zur Katz“. Sie fanden ihn im gemeinsamen Handel, im gemeinsamen Tanz und bei ausgelassenen Feiern.

Welche Rolle spielen Zünfte in einer spätmittelalterlichen Stadt?

Welche Bedeutung kommt den Zunfthäusern zu?

Was sind eigentlich die „Alten Geschlechter“?

Wann sind die Zünfte entstanden?

Wie muss man sich die soziale Struktur einer spätmittelalterlichen Stadt vorstellen?

Wie homogen waren die Zünfte als soziale Gruppen?

Was hat diese Zünfte zusammengehalten?

Kapitel I

Ausgangslagen

Gegen die gemeinsame Sache:
In Verordnungen steuert der Rat seiner verlorenen Autorität entgegen

Mit dem Scheinfrieden des Konzils war es bereits im Dezember 1418 vorbei, als der Rat der Stadt aufgrund der Gerüchte um die gemeinsamen Tanzfeste eine erste Verordnung erließ, die alle Trinkstuben verbot, in denen Zunftmitglieder und Geschlechter gemeinsame Sache machten. Scheinbar ohne Erfolg. Denn im Sommer 1420 folgte eine weitere Verordnung, die von allen Zunftbürgern der Stadt verlangte, ein jeder müsse in der Zunft verbleiben, in die er geboren wurde, um dadurch eine klare Abgrenzung zwischen den beiden zentralen sozialen Gruppen zu gewährleisten…

Welche Gründe führen zum Aufstand der Konstanzer Zünfte?

Welche Auswirkungen hatte die Verwischung der Grenzen zwischen Zünften und Geschlechter?

Haben wir es mit einem ökonomischen oder gesellschaftlichen Konflikt zu tun?

Wie lebten reich und arm nebeneinander?

Die Steine des Anstoßes:
Zur Fastnacht im Jahre 1424 folgt der Startschuss für den Bau eines Hauses der Geschlechter

Alles dreht sich um ein Haus. In unmittelbarer Nähe des Münsters liegt das repräsentative Haus „Zur Katz“, abseits der ehemaligen Zunfthäuser, aber auch abseits der ehemaligen Häuser der alten Geschlechter. Sechzehn Meter lang, etwas mehr als zwölf Meter breit, mit weiten Gängen, einem reich verzierten Spitzbogenportal und standesgemäßen Stallungen für die Pferde der Gäste im Erdgeschoss. Im oberen Stockwerk ein großzügiger Saal für exklusive Gastmähler, den gemeinsamen Tanz und die Verfestigung lukrativer familiärer und wirtschaftlicher Beziehungen. In der Mitte eine Eichensäule, die die schwere Balkendecke stützt und an der vermutlich die Wappenschilde der Gesellen hingen. Es ist das erste Renaissancegebäude nördlich der Alpen, ein Prunkbau, der nach dem Vorbild des Florentiner Palazzo Vecchio errichtet wurde und die Vergemeinschaftungsbedürfnisse der städtischen Elite stillen soll. So unschuldig sich die architektonischen Daten des Hauses ausnehmen, es ist ein Stück gebauter Herrschaftsanspruch.

Welche Bedeutung kommt dem Haus zur Katz zu?

Was verrät die Raumordnung über die soziale Ordnung der Stadt?

Wie hat sich der Einfluss der Zünfte architektonisch in der Stadt niedergeschlagen?

Was zeichnet eine spätmittelalterliche Stadt baulich aus?

Gab es typische Konflikte beim Bau von Häusern?

Was ist das Besondere an den Fassaden?

Warum haben die Häuser Namen?

Gibt es Vorlieben bei der Wahl des Häusernamens?

Wie hängen Hausbesitz und sozialer Status zusammen?

Kapitel II

Konflikt

Ein heißer Tanz beginnt:
Fünf Jahre hatte der Bau gedauert. Nur wenige Monate reichen bis zum Eklat

Im August 1429 wurde offenkundig, dass sich das Portal des Hauses nicht nur für die Geschlechter, sondern auch für die Zunftgenossen mehr als nur weit geöffnet hatte. Der daraus entstehende Konflikt und die mit ihm einhergehenden Unruhen folgten einer Dynamik, die sich schließlich nicht mehr einhegen ließ. Am 9. August mussten 16 Zunftgenossen vor dem Rat erscheinen, weil sie nicht nur Freundschaft und Geselligkeit mit den Geschlechtern gepflegt hatten, sondern sich auch durch Heiratsverbindungen und der finanziellen Beteiligung an den Baukosten des Hauses an die Gesellschaft gebunden hatten. Die empfindlichen Geldstrafen und das erneuerte Verbot gemeinsamer Turniere, Feste und Tänze hatten zur Folge, dass 48 Mitglieder der Geschlechtergesellschaft mit ihren befreundeten Zunftgenossen einen Monat später vor dem Rat erschienen, um wiederum in einer großen Geste des Protests ihr Bürgerrecht aufzugeben und nach Schaffhausen auszuziehen.

Wie nahm der Konstanzer Zunftaufstand seinen Anfang?

Aufmarsch der Banner:
Die Schlichtungsversuche scheitern

Anders als in den Jahren zuvor, drohten die eingespielten Strategien der Akteure im August in blanke Gewalt umzuschlagen, auch weil der Versuch des Rates, die Niederlegung der Bürgerrechte zu verhindern und im Gegenzug einen neuerlichen Eid der Geschlechter zu verlangen, fehlschlug. Während sich die Geschlechter auf dem Fischmarkt vor dem Rathaus versammelten, liefen inzwischen die Zünfte in Harnisch und Waffen auf den Gassen und Plätzen zusammen. Angesichts der bedrohlichen Übermacht der Zünfte suchten die Geschlechter den Schutz des Bischofs Otto, dessen Bischofspfalz am Münster außerhalb der städtischen Rechtsprechung lag, ihnen als kirchenrechtliche Enklave aber nur eine vorläufige Zufluchtsstätte bot. Denn nachdem die Aufforderung des Bischofs an den Rat, das Leben der Geschlechter zu schonen, scheiterte, fanden sie sich in doppelter Weise eingeschlossen: im repräsentativen Sitz des Bischofs, aber auch in der Stadt. Die Stadttore waren schon lange abgeriegelt worden und es war unklar, ob die Banner der Zünfte nur Drohgebärden waren.

Waren solche Aufstände im Spätmittelalter außergewöhnlich?

Wie lief der Aufstand ab?

Kapitel III

Schlichtung

Gemeinschaft am Spieß:
Die Eskalation der Ereignisse erfordert die Rückkehr des Königs

Die Wirren des Konstanzer Zunftaufstandes hatten die Rückkehr des Königs im Dezember 1430 an den Schauplatz des Konzils erfordert. Seine Schlichtung und sein Richtspruch machten Tabula Rasa mit den Verhältnissen in der Stadt und stellten das alte Machtgleichgewicht zwischen Geschlechtern und Zünften her. Unter den Augen des Königs sollte der Unfrieden bei einem großen Fest der gesamten Gemeinde im Kaufhaus am Wasser, dem heutigen Konzilgebäude, rituell, demonstrativ und für die gesamte Bürgerschaft sicht- und hörbar aus der Welt geschafft werden. Der Verlauf der Feierlichkeiten ist nicht überliefert. Üblicherweise erhielten die Bürger bei einem solchen Anlass reichlich Speiß’ und Trank, wahre Festmähler, die vor einem mit Schweine- und Geflügelfleisch ausgestopften Ochsenspieß nicht zurückschreckten. Bei den großen Mengen an Wein wurden oft verschiedene Sorten zusammengekippt, sodass es offenbar weniger um die Qualität ging. Trunkenheit gehörte dazu und wurde nicht sanktioniert.

Welche Rolle spielt König Sigismund?

Wie lief die Schlichtung ab?

„O wunnigliches Paradis“ :
Nach den unruhigen Jahren und den Wirren der letzten Monate bittet der König zum Tanz

Der Aufruhr in der Stadt sollte der geregelten Bewegung im Tanz weichen, jedenfalls für die Bürger. Denn noch am gleichen Abend luden die Gesellen „Zur Katz“ zum Tanz in ihr herrschaftliches Gebäude im exklusiven Kreis. In seinem Loblied vom „wunniglichen Paradis“ am See wird ein prominenter Begleiter des Königs, der Minnesänger Oswald von Wolkenstein, diesen letzten Tanz aufgreifen und der Stadt ein literarisches Denkmal setzen, das vor allem eines klar macht: hier regiert nun „adelicher Schall“.

Über den unten eingebetteten Button, können Sie sich die Costnitz tanzt-Broschüre als kostenlose PDF-Datei herunterladen. Wir wünschen Ihnen viel Vergnügen beim Lesen.

Download Broschüre

Unsere Sponsoren und Unterstützer:

Fragen und Anmerkungen an:
kontakt@costnitz-tanzt.de

Projektleitung:
Dr. des Jan Behnstedt-Renn
Universität Konstanz
jan.behnstedt@uni-konstanz.de

Methodik Projektkonzeption
und Kommunikationsdesign:
Simon Neßler, B. A.
Atelier S. Neßler
simon-nessler.myportfolio.com

Universität Konstanz
Universitätsstraße 10
78464 Konstanz
+49 7531 880

HTWG Hochschule Konstanz
Technik, Wirtschaft und Gestaltung
Alfred-Wachtel-Straße 8
78462 Konstanz
+49 7531 206 0

Die Hochschule Konstanz und die Universität Konstanz sind Körperschaften des öffentlichen Rechts. Die Hochschule Konstanz wird gesetzlich vertreten durch ihren Präsidenten Prof. Dr. Carsten Manz, die Universität durch ihren Rektor, Prof. Dr. Dr. h.c. Ulrich Rüdiger.

Inhaltliche Verantwortung: Universität Konstanz

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